Capitães de Areia

Grupo folclórico de Capoeira

Berlin - Alemanha

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Amrit Mirchi Cinescript

Leseprobe

DIE GESCHICHTE DER CAPOEIRA

Brasilien, 1670

Ich wache auf in einer spartanischen Zelle, wieder ein Tag in Gefangenschaft. Ich muss als Messdiener beim Gottesdienst helfen. Der weiße Mann, der sich Missionar nennt, sagt, wenn ich mir Mühe gebe und alles lerne, was er mir beibringt, werde ich gerettet, meine Seele kommt in den Himmel. Ich verstehe nicht, warum ich diese Sprache, die sie Latein nennen und in der sie zu ihrem Gott sprechen, lernen muss. Ich verstehe ihren Gott nicht und noch weniger verstehe ich, warum sie mich Francisco nennen!

Ich heiße Zumbi, Enkel der Prinzessin Aqualtune, Neffe des Ganga Zumba. Ich will nach Hause, nach Palmares, wo ich geboren wurde, wo ich frei wie ein Vogel gefischt, gejagt habe und barfuß durch die Wälder gestreift bin mit meinen Freunden, die von afrikanischen Sklaven abstammten, so wie ich, oder von den Ureinwohnern dieses Landes. Der Missionar nennt sie Indios.

Meine Großmutter hat mir erzählt, dass die meisten von uns aus Angola, einem Land in Afrika kommen, manche auch aus anderen Ländern Afrikas. Die Portugiesen, die auch hier in Brasilien die Herren sind, sind in unser Land gekommen und haben uns eingefangen wie die Tiere, auf Schiffe verfrachtet und über das weite Meer nach Brasilien gebracht. Viele sind auf dem Weg gestorben […]

Bahía, 1937

Mein Körper schmerzt vom Training, ich spüre jeden Muskel meines Körpers. Capoeira! Mein Leben, nur da vergesse ich die triste Gegenwart, unser Leben in den Favelas voller Armut und Sorgen.
Heute hat Mestre Bimba (Manoel dos Reis Machado), unser Lehrer und Meister, uns die Geschichte der Capoeira erzählt.

Er erzählte, dass vom 18. Jahrhundert bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts Capoeira verboten war und die Ausübung dieser Kampfkunst mit dem Tod bestraft wurde.
Capoeira war das Zeichen des Widerstandes und der Rebellion gegen die Vorherrschaft der Kolonialherren.
1807 gab es eine Reihe von kleinen Rebellionen und Aufständen. Dia Capoeiristas schlossen sich in Gruppen zusammen, sogenannten Maltas und kontrollierten ganze Dörfer und Städte. Zu dieser Zeit stand Capoeira nicht mehr unter Todesstrafe, doch wurde ihre Ausübung mit Freiheitsentzug bestraft.
Obwohl Capoeira offiziell verboten war, setzten weiße Herren oft Polizisten ein, die die Capoeira beherrschten. Und als sich Brasilien 1865 mit Argentinien und Uruguay im Krieg gegen Paraguay befand, wurden Bataillone von Capoeiristas zwangsrekrutiert, um die feindlichen Schützengräben in ihre Gewalt zu bringen, ohne viele Waffen einzusetzen.

Capoeira wurde zum Straßenkampf, es kam zu Bandenkriegen oder Kämpfen, in denen die Konflikte der weißen Elite durch Capoeiristas ausgetragen wurden. Nur in Salvador da Bahia, der Heimat der Capoeira, behielt die Capoeira ihre anfängliche Form, sie wurde nicht für Bandenkriege missbraucht […]

Berlin, 2009

Schüsse in den Straßen von Luanda… Ich laufe so schnell ich kann, ein kleines Mädchen weint, es hat seine Mutter verloren… Ich nehme es in den Arm und laufe weiter… Schüsse…
Angola, mein geliebtes Heimatland, zerrissen vom Jahrzehnte andauernden Bürgerkrieg…

Ich wache auf, schweißgebadet – es war ein Traum, nur ein Traum.
Ich lebe schon seit langer Zeit in Deutschland und doch lassen mich meine Kindheitserinnerungen nicht in Ruhe.
Wann hören solche unnötigen Kriege endlich auf? Wie kommen sie zustande? Wer will sie?
Viele Fragen, keine Antworten.
Ich packe meine Sachen und gehe zum Training. Capoeira, dort vergesse ich alles, sie gibt mir Kraft.
Der Legende nach kam diese Kampfsportart aus Angola nach Brasilien.
Ich komme aus Angola und hier in Deutschland sind wir nun also aufeinander getroffen!
Ich komme in die Turnhalle… Viele Capoeiristas sind schon da, sie wärmen sich auf.
Wir trainieren Capoeira Regional. Doch Capoeira Angola, die ältere und traditionellere Form wird auch noch immer praktiziert. Wir lernen sie auch. Capoeira ist heutzutage in Millionen von Vereinen auf der ganzen Welt etabliert.
Doch das faszinierende an der Capoeira ist, dass jeder, egal welche Bewegungen einbringen kann und das jeweilige Spiel sich daran anpasst und doch seine ursprüngliche Form behält […]

 

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